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Grundprinzipien, die der DFJW-Zertifizierung zugrunde liegen 

Vielfalt der Träger und Ausbildungen

Die Definition von Ausbildungsstandards im Rahmen der Vergabe von DFJW-Zertifikaten ist nicht gleichzusetzen mit einer Vereinheitlichung der verschiedenen Aus- und Fortbildungen.

Die deutsch-französische und trilaterale Jugendarbeit ist gekennzeichnet durch sehr verschiedene Rahmenbedingungen, Arbeitssituationen und methodische Herangehensweisen. Diese Diversität macht gerade ihren Reichtum aus. Die Ausbildungsstandards verstehen sich deshalb als gemeinsamer qualitativer, formaler und inhaltlicher Rahmen, innerhalb dessen die Vielfalt der Ansätze erhalten bleibt.

 

Pädagogischer Ansatz: Non-formales Lernen

Gemeinsam ist den Ausbildungen, in denen DFJW-Zertifikate erworben werden können, der pädagogische Ansatz. Dieser orientiert sich an den Prinzipien des non-formalen Lernens:*

Kernmerkmale des non-formalen Lernens

    • Ausgewogene Koexistenz und Interaktion zwischen den kognitiven, affektiven und praktischen Dimensionen des Lernens
    • Verbindungen zwischen individuellem und sozialem Lernen sowie partnerschaftlichen, solidarischen und symmetrischen Lehr-/Lernbeziehungen
    • Beteiligend und lernendenzentriert
    • Ganzheitlich und prozessorientiert
    • Dem Alltagsleben nahe, erfahrungs- und handlungsbezogen, verwendet interkulturellen Austausch und interkulturelle Begegnung als zentrales pädagogisches Element
    • Freiwillig und (im Idealfall) für alle offenstehend
    • Zielt vor allem auf die Vermittlung und Erprobung demokratischer Werte und Kompetenzen ab

 Non-formale Lehr- und Lernmethoden

    • Kommunikationsbasierte Methoden: Interaktion, Dialog, Mediation
    • Handlungsorientierte Methoden: Erfahrung, Praxis, Experimentieren/Ausprobieren
    • Sozialzentrierte Methoden: Partnerschaft, Teamwork, Netzwerkarbeit
    • Selbstgesteuerte Methoden: Kreativität, Entdeckung, Verantwortung
 

Um interkulturelle Lernprozesse in Gang setzen zu können, ist es von grundlegender Bedeutung, diese selbst erlebt zu haben. Die Aus- und Fortbildungen, bei denen Zertifikate erworben werden können, finden dementsprechend im Rahmen von deutsch-französischen und trilateralen Begegnungen statt. Die Ausbilderinnen und Ausbilder vermitteln die Inhalte praxis- und erlebnisorientiert in Form von Simulationen, Workshops, Spielen, Gruppenarbeit, Diskussionen, etc. und fördern die Reflexion und Interaktion der Teilnehmenden.

 

Verständnis von Kompetenz im Bereich der Ausbildungen

Die Zertifikate bescheinigen den Teilnehmenden der verschiedenen Aus- und Fortbildungen den Erwerb bestimmter Kompetenzen. Deren Definition orientiert sich an Erfahrungswerten aus der deutsch-französischen und trilateralen Praxis und zielt auf eine bestmögliche Leitung interkultureller Jugendbegegnungen ab.

Die schwierige Beurteilung von soft skills und deren oft erst langfristige Nachweisbarkeit wurde hierbei berücksichtigt. Besondere kulturelle Besonderheiten bei der Kategorisierung, Benennung und bezüglich des Auswertungsverfahrens wurden im Hinblick auf beide Länder diskutiert und einbezogen.

Die Aus- und Fortbildungsleitung initiiert und begleitet den Erwerb der Kompetenzen und führt gemeinsam mit den Teilnehmenden eine Auswertung durch. Gemäß den Prinzipien des non-formalen Lernens gestaltet sich dieser Prozess transparent, interaktiv, prozessorientiert und motivierend.

Das Projekt wurde durch Diskussionen bereichert, die auf EU- sowie den nationalen Ebenen im Bereich Anerkennung und Validierung von non-formalem Lernen und Nachweis von in diesem Bereich erworbenen Kompetenzen geführt werden (z.B. Youthpass, Europäisches Portfolio für Jugendleiter/-innen, Kompetenznachweise International) und versteht sich als Beitrag hierzu. Gleichzeitig verortet es sich im Bereich Ausbildung und orientiert sich sehr stark an der spezifischen Praxis der deutsch-französischen und trilateralen Begegnungsarbeit mit dem Ziel einer Qualitätssteigerung in diesem Bereich. Die Erarbeitung eines eigenen Verfahrens erwies sich unter anderem durch die Verbindung der Zertifizierung mit der Aufnahme in die Teamer/-innen-Datenbank als erforderlich.

* in Anlehnung an: Symposiums des Europarats zu nicht-formaler Bildung (13.-15. Oktober 2000 in Straßburg). Bericht.(2001). Vgl. Fennes, Helmut u. Otten, Hendrik (2008): "Qualität, Professionalität und Kompetenz für nicht-formale Bildung und Training im Kontext europäischer Jugendarbeit." documents n° 10. Bonn: Jugend für Europa. http://www.jugendfuereuropa.de/downloads/4-20-1212/Studie_10_end.pdf (Zugang 16.07.2012).